Was ist Idealismus?

Was ist Idealismus?

Diese Frage diente schon zu mancher Zeit als Streitpunkt zwischen den verschiedensten Philosophen und philosophischen Richtungen und dementsprechend vielfältig sind daher die aufgestellten Definitionen des Wortes „Idealismus“. Jedoch sollte man auf den Begründer der idealistischen Philosophie zurückgreifen und dessen Lehre als die grundlegendste Basis betrachten, um zu erkennen, was unter „Idealismus“ zu verstehen sein sollte. Der erste Mann, der sich näher mit diesem Wort, beziehungsweise einer Art des „Idealismus“ beschäftigte, war der griechische Philosoph Platon, der zur Veranschaulichung seines Gedankens ein Gleichnis aufstellte. Freilich hatte er auch Analysen und Abhandlungen dazu verfasst, doch um das Gedankengut effektiv einer breiten Masse zugänglich und verständlich zu machen, wurde das sogenannte „Höhlengleichnis“ erschaffen. Es handelt sich dabei um die Veranschaulichung einer bestimmten Situation. Platon fordert hierbei den Leser dazu auf, sich eine Höhle vorzustellen, deren Eingang so gerichtet ist, dass Licht hineinfällt. Auf dem Weg des Höhleneingangs befindet sich eine Mauer, um die man herumgehen kann und weiter drunten, dort wo das Licht letzten Endes auftrifft, ist erneut eine relativ glatte Wand vorzufinden. Vor dieser Wand stehen Pfähle, an welche Menschen gebunden sind, die aber so stehen, dass sie nichts außer der Wand sehen, auf die das Licht fällt. Diese Menschen wurden in dieser Höhle geboren und haben nie etwas anderes gesehen als diese Wand. Oben, auf der Mauer am Höhleneingang, stehen Gegenstände, die von anderen Menschen hin- und hergetragen werden und die somit ein Schattenbild erzeugen, das die Gefesselten zu sehen in der Lage sind. Er beschreibt also eine Situation, in welcher das Weltbild bestimmter Menschen sich ausschließlich auf diese Schattentänze an der Wand beschränkt. Diese Menschen haben nie etwas anderes gesehen; sie kennen nichts anderes als die Formen der Gegenstände, die dort oben bewegt werden; sie kennen nichts anderes außer den Unterschied zwischen Licht und Schatten; darauf beschränkt sich ihr Weltbild, also ihr Bild von der Welt und auf nichts anderes weitet es sich aus, weil sie es nie kennen lernen konnten. Nun wird einer der Gefesselten befreit – dieser dreht sich als erstes um und blickt gen Höhleneingang: Dort erblickt er das allererste Mal unreflektiertes Sonnenlicht; es blendet ihn, doch nach einiger Zeit gewöhnen sich die Pupillen daran. Dann kann er das erste Mal in seinem ganzen Leben etwas anderes erkennen, außer Schatten und Licht, nämlich Personen und dreidimensionale, farbige Gegenstände. Was wird dieser wohl dabei denken und fühlen. Man geleitet ihn hinaus aus der Höhle, in die umgebende Umwelt, wo er zum ersten Mal in unglaublicher Intensität die Farbgebung der Erde erkennt und nicht nur das: außerdem findet er Objekte vor, wie Bäume, Erde, Grashalme, den Himmel, Felsen, Bäche, Flüsse, Seen und so weiter. Dann begibt er sich zurück in die Höhle zu den anderen, mit welchen er bisher nur gesprochen, die er aber nie zu Gesicht bekommen hatte – die Frage, die Platon nun den Lesern stellt, ist die nach der Reaktion der anderen, die, die danach fragt, wie sich der Befreite fühlt, was er denkt und die, welche fragt, ob das alles überhaupt geglaubt werden wird. Man stelle sich selbst nur vor, man sähe etwas, das man sich niemals auszumalen gedacht hätte, das einem selbst als Traum unmöglich erschienen wäre; wie würde man wohl selbst denken und fühlen? Sicherlich würde man mit aller aufzubietenden Sturheit die Umstände ableugnen, als können sie nicht Realität sein, nur weil das eigene Vorstellungs- und Erfahrungspotenzial den Umfang des neu- Erlebten sprengt. Dabei allerdings haben diese fiktiven Personen in Platons Höhlengleichnis weit mehr Neues zu erfassen, als dies in der Realität wahrscheinlich je möglich wäre; wie also würden sich diese Menschen ob dieser neuen Erfahrungen verhalten? Vielleicht sterben sie an einem schweren Schock, vielleicht aber ziehen sie sich freiwillig wieder vor ihre Schattenwand zurück, um all dem Unglaublichen draußen aus dem Wege zu gehen, weil sie Angst davor haben. Eines ist jedoch sicher: sie wären kaum in der Lage, dieses ohne Weiteres zu akzeptieren, vielleicht würden sie sogar versuchen, Gewalt gegen denjenigen anzuwenden, der sie daran erinnert, dass außerhalb ihrer beschränkten Welt noch etwas völlig Unbekanntes und zuErforschendes besteht. Wir können sicher sein, dass die Reaktion alles andere als positiv ausfallen wird – in etwa in der Art, wie wenn man einem kleinen Kind die Wahrheit gesteht und zugibt, dass der Osterhase nur eine Erfindung der Menschen selbst ist und die Geschenke kommerziell erworben wurden. Die sture und kompromisslose Verweigerung der Realität ist die Folge und eigentlich wollen die Opfer der eigenen Beschränktheit auch gar nicht weiter daran denken, dass außerhalb ihrer Welt etwas anderes existieren könnte, denn sie haben Angst, sie fürchten sich, denn sie sind nichts weiter als erbärmliche Feiglinge, die das außerhalb des Gewöhnlichen Liegende verachten, weil sie sich machtlos fühlen. „Idealismus“ leitet sich selbst von dem Wort „Idee“ ab – alleine der Name veroffenbart bereits den Grundgedanken dahinter: Die Idee ist der Faktor, der zählt, nicht die Realität, die für den Menschen nur so weit erfassbar ist, so weit er sich mit ihr umgibt. Wagt der Mensch sich nicht aus seiner ideellen Verkapselung heraus, so wird sich ihm die „Realität“, die er nie in vollem Umfange wahrnehmen kann, nur als das erscheinen, was er um sich herum sieht, auch wenn das Eigentliche, das Wirkliche sich viel weiter über alles Bekannte erstreckt. Er wird sich aus Angst verkriechen und er wird ein Leben in der Sicherheit führen, dass er alles kennt – allerdings nicht weil er tatsächlich alles weiß, sondern nur weil er es meint, aber zugleich wird er auch nie die Entfaltungsmöglichkeiten besitzen, über die jemand verfügt, der sich über seine eigene Furcht und Sturheit hinaus wagte, denn er kann nicht auf das zugreifen, das im Bereich des Möglichen liegt, denn er sieht nur all die Zustände, die er einmal als möglich erfahren hat. Dass darüber hinaus noch vieles Weitere möglich ist, kommt ihm gar nicht in den Sinn – das will er schließlich auch nicht, die Selbstzweifel und die Unsicherheit lassen ihm den Angstschweiß in Strömen von der Stirne fließen. Der Idealismus und die Erkenntnis desselben sollten zugleich eine offene Aufforderung an jeden Menschen sein, der sich seiner eigenen durch Angst entstandenen Schwäche bewusst wurde, seinen gedanklichen und ideellen Horizont über all das hinaus zu erweitern, was er bisher als „Realität“ wahrnahm, denn daraus resultiert die wahre Stärke eines Gedankenguts. Dies ist der Wendepunkt, an welchem die Frage nach der praktischen Anwendungsmöglichkeit dieser Gedanken gestellt werden muss. Spricht man von „Idealismus“, so sind immer Gedanken und Ideen gemeint, womit vor allem die politische Bedeutung des Idealismus hervorgehoben werden sollte. Idealismus in der Politik bedeutet dann zumeist, dass Ideologien und politische Forderungen vertreten werden, die dem Laien als „abenteuerhaft“ oder „realitätsfern“ erscheinen, weil er mit der reellen Ausführung dieser Ideen niemals vertraut werden konnte. Zugleich sollte aber nicht geglaubt werden, dass dieser große Philosoph die Menschen jemals dazu aufgefordert hätte, an etwas völlig Absurdes zu glauben, ohne dass dabei wenigstens gute Grüne gegeben wären, dies anzudenken. Dabei müsste aber auch „absurd“ erneut einer Definition unterzogen werden, denn schließlich wäre es den Gefesselten in der Höhle wohl absurd erschienen, hätten sie von der Welt draußen geträumt. Plato müsste hierbei als ein Vordenker des Rationalismus gewertet werden, denn kein Idealismus darf dem widersprechen, was bisher bereits als wahr und als reell gegolten hatte, womit der Idealismus zwar das Denken an das Mögliche fordern muss, dabei aber nie außer Acht lassen darf, dass das Mögliche dem bereits als Realität Wahrgenommenen nicht widersprechen sollte, weil ansonsten alleine gedanklich alles möglich wäre, auch dann, wenn man gewiss sein kann, dass dem nicht so ist, weil man durch die Erfahrung bereits gelehrt wurde, dass sich die Realität anders verhält. Es wäre zwar höchst idealistisch, zu glauben, ein fallen gelassener Stein erhebt sich gen Himmel, aber die Erfahrung zeigt uns doch eindeutig, dass dies unter normalen Umständen niemals der Fall sein wird. Man kann den Stein Millionen Male aufheben und wieder los lassen und er wird auch beim Millionen und ersten Mal wieder zu Boden fallen, sofern man nicht genug Kraft aufbringt, ihn aus dem Gravitationsfeld der Erde hinaus zu schleudern. Genau so wenig wäre als idealistisch zu betrachten, wenn jemand dem Irrglauben verfällt, er könne ewig lange sprinten, ohne dass er jemals seine Atemkraft überlasten würde, sodass er pausieren muss. Im Gegensatz dazu ist es hingegen idealistisch, sich über das hinaus zu wagen, was allgemeinhin als unmöglich geglaubt wird. In diesem Zusammenhang von sich zu behaupten, man hätte die Ausdauer, innerhalb eines Jahres zu Fuß von Deutschland nach Indien zu gehen, würde wohl von der Mehrheit ebenso wenig ernst genommen werden, doch die Furcht davor abzulegen, dass man scheitern könnte und an die Möglichkeit des Unterfangens zu glauben, wider allen Erwartungen zu kämpfen, das ist idealistisch. Wenn man nun in den deutschen Parteiensystemen und in der deutschen Politik eine Unterscheidung zwischen „Realos“, also jene, die Prinzipien vertreten, die in Deutschland als „möglich“ angesehen werden, und anderen Arten von Politikern trifft und wenn man betrachtet, wie massiv diese Unterscheidung als Wahlkampfmittel eingesetzt wird, um bestimmte politische Positionen zu verunglimpfen, dann erklärt sich auch zu einem großen Teil, warum die deutsche Politik sich seit Ende des zweiten Weltkrieges hauptsächlich mit dem Adjektiv „handlungsunfähig“ einen großen, aber beschämenden Namen gemacht hat. Es sollte akzeptiert werden: Wo sind die großen deutschen Lösungsansätze und die großes deutschen politischen Aktionen seitens des Staates, die großen Unternehmungen und politischen Kampagnen, die zur Erreichung eines bestimmten Zweckes dienen sollten? Die „Revolution“ 1989 und die Wiedervereinigung Deutschlands zwischen Ost und West wären da die einzigen Merkmale der deutschen Nachkriegsgeschichte, wo man dem Status quo der Realität, trotz seiner starren Haltung, trotzte und sich auf die Straße wagte, um das vermeintlich Unmögliche zu fordern und auch das waren keine Politiker, die man heute in der Regierung sehen würde und wahrscheinlich noch weniger deren Anhänger. Wären die Ostdeutschen, all jene die gegen den Tyrannenstaat DDR und für ein halbwegs geeintes Deutschland demonstrierten, ebenso verblendet gewesen, zu sagen, „dies sei unmöglich“, so wie deutsche Politiker heute sich selbst als „Realos“ loben und andere als „nicht- Realos“ beschimpfen, so hätte die DDR auch heute noch Bestand. Zwar war diese in argen finanziellen Schwierigkeiten, doch den Untergang des Staates selbst hätte dies nicht zwingend bedeutet – der „eiserne Vorhang“ wäre wohl etwas gelüftet worden. Gerade jetzt, das die BRD sich mit schweren Problemen bezüglich seiner Schuldenbelastung konfrontiert sieht, gerade jetzt, da das deutsche Volk durch seine niedrige Geburtenrate im Aussterben begriffen ist, gerade jetzt, da die Kriminalität in gewissen deutschen Städten und Stadtteilen massiv anwächst, gerade jetzt, da die internationale politische Durchsetzungsfähigkeit unter dem Aufschwung anderer Staaten stark zu leiden hat, kann es sich Deutschland nicht leisten, sich auf irgendeine dümmliche „Realo-Politik“ zu verlassen. Ein Beispiel könnte die Integration sein, wo man noch immer glaubt, durch Toleranz oder durch „bunte Projekte“ Fortschritte erzielen zu können, wobei der Hass offen zugegeben wird, den Ausländer gegenüber Deutschland fühlen und die Integrationsunwilligkeit der meisten dieser Personen ist ein vertuschtes Geheimnis, doch trotz allem eine Wahrheit. Dazu braucht man nur diese youtube-Videos anzusehen und man kennt die Lügen der geachteten Medien. Es ist nicht idealistisch zu sagen: „Multikulti funktioniert trotz allen unseren negativen Erfahrungen“, denn das Gegenteil ist offenbar; es ist einfach nur dumm. Idealistisch hingegen wäre es, über das hinaus zu gehen, was allgemeinhin als „unmöglich“ betrachtet wird, weil es irgendwelchen, auf falschen Grundlagen aufgebauten Prinzipien oder Moralvorstellungen widerspricht. Es wäre idealistisch, zu sagen: Obwohl wir uns mit Millionen „neuen Deutschen“ auf unserem Boden konfrontiert sehen, die nicht gewillt sind, sich uns anzupassen, werden wir dagegen ankämpfen, auch wenn es als eine moralische Unmöglichkeit erscheint, den Willen von Millionen mit politischer Gewalt brechen zu wollen. Hier ist ganz deutlich zu erkennen, dass ein „Dürfen wir nicht“, „Können wir nicht“, „Gibt’s nicht“ nicht existieren darf – das Hemmnis der Angst, dass man falsch handeln könnte, nur deshalb weil man bisher niemals so gehandelt hat, wird sonst unser Grabstein werden. Genau so wie wir in dieser Beziehung nicht darauf verzichten sollten, die Maximalforderung zu stellen, genau so müssen wir in anderer Hinsicht uns darauf besinnen, dass weit mehr möglich ist, als es uns die heutige politische Führungsschichte weismachen will und dementsprechend sollten wir unser Denken nicht von irgendwelchen Gesetzeslagen oder alten, als schlecht erwiesenen Denkweisen beschränken lassen und schon keineswegs fürchten, dass die Gegner einem Probleme bereiten können.

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