„Schwarz-Rot-Gold“

Schwarz, Rot und Gold – das sind die Farben der Fahne der Bundesrepublik Deutschland seit ihrer Gründung im Jahre 1949, doch bereits vorher, in der Weimarer Republik, waren diese drei Farben zum Zeichen der Deutschen geworden. Die Ursprünge reichen jedoch viel weiter zurück; mehr als hundert Jahre vor der Gründung der Weimarer Republik entstand diese Kombination im Zeichen des Widerstandes gegen Napoleon. Als dieser 1806 das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ gezwungenermaßen auflöst, verursacht dies starkes Unbehagen in der deutschen Bevölkerung, vor allem unter Gebildeten und Intellektuellen. Allerdings war zu jener Zeit die Meinung über Napoleons Feldzüge nicht ungeteilt. Der Rheinbund etwa stand als Verbündeter Frankreichs gegen seine Feinde während dieser ersten Phase des 19. Jahrhunderts und auch in eher gebildeten Kreisen sah man Napoleon als den Bringer der Ideale und Ideen der Französischen Revolution, die, von Frankreich ausgehend, durch Napoleon im Endeffekt große Teile des europäischen Kontinents als mittelbare Folge mitüberzog. Weitsichtigere jedoch sahen in der Besetzung deutscher Gebiete und vor allem in der Auflösung des deutschen Nationalstaates – sofern man dieses „Erste Reich“ als einen solchen bezeichnen kann – eine Gefahr, denn damit war den Franzosen die Möglichkeit gegeben, ein Hoheitsrecht über das deutsche Volk einzurichten. Die erste bekannte Widerstandsorganisation entstand in Jena, in Thüringen, wo sich deutsche Studenten zu einer Burschenschaft zusammenschlossen, wobei diese Burschenschaft als solche nicht im heutigen Sinne aufgefasst werden darf. Es handelte sich dabei mehr um ein Freikorps, also um eine Gruppierung, die sich selbst zu einem bestimmten Zweck bewaffnet hatte. In diesem Fall eben um Napoleons „Grande Armée“ zu bekämpfen und wieder einen Staat herzustellen, der alle deutschsprachigen Gebiete umfassen sollte. Als Zeichen ihrer Einigkeit trugen diese Männer eine Uniform – in den Farben Schwarz, Rot und – was ist anderes zu erwarten – Gold. Schwarz war der Stoff, aus dem die Kleidungsstücke bestanden, Rot war die Schleife, die jedem um den Hals gehängt wurde und in Gold glänzten die Knöpfe. Diese Farben wurden noch von denselben aktiven Widerstandskämpfern verwendet, um zugleich zu ihrem Symbol zu werden. Damit war die Flagge Schwarz-Rot-Gold geboren. Dies sei am Rande erwähnt: Es mag vielleicht nicht jedem begegnet sein, doch manche interpretieren das „Gold“ als ein Sich-Überheben des deutschen Nationalstolzes, weil man ja schließlich auch „Gelb“ sagen könnte – das ist aber historisch inkorrekt, denn niemand würde sagen, dass die genannten Knöpfe „Gelbbraun“ glänzen, sondern natürlich würde man sich dazu durchringen müssen, diese als in Gold gefärbt zu bezeichnen. Daher ist es historisch bedingt, dass man „Schwarz-Rot-Gold“ und nicht „Schwarz-Rot-Gelb“ sagt. Diejenigen, die unter der schwarz-rot-goldenen Flagge standen, waren bis zum Endes dieses, man könnte es durchaus so bezeichnen, „Interregnums“ von 1806 bis 1871 ausschließlich Nationalisten, Nationalliberale, nationale Demokraten, und so weiter, gewesen. Dabei waren die Mitglieder der zugehörenden, sich über die Zeit häufenden Organisationen, fast ausschließlich Akademiker, beziehungsweise Studenten und tatsächlich waren die meisten Studenten bis nach 1945 nationalistischem oder zumindest stark patriotischem Gedankengut zugetan. Als 1848 die Revolution auch in Deutschland ausbricht, sind es diejenigen, die die deutsche Einheit fordern, die auch wieder die heutige bundesdeutsche Flagge ihren Protestmärschen vorantragen. Jeder kennt die Gemälde, die einerseits einen wütenden Haufen auf einer Straße zeigen, andererseits aber die deutsche Nationalversammlung von 1849, wie sie in der Frankfurter Paulskirche tagt – und den Saal, behangen mit Flaggen in den Farben Schwarz, Rot und Gold. Auch heute noch existieren Burschenschaften, allerdings haben die meisten ihren Ursprung und ihre Tradition vergessen, oder erhalten sie nur mehr oberflächlich, weil sie sich ihrer Bedeutung nicht bewusst sind; das gilt zumindest für Deutschland. In Österreich existiert die Tradition deutschnationaler Akademiker, die sich in dieser Weise organisieren, noch immer, nur in abgeänderter Weise. In der Regel wird die Schleife heute in den Farben der bundesdeutschen Flagge getragen, die Uniformen sind nicht gezwungenermaßen schwarz. Aber auch die Mensur, das ist das Säbelduell, an welchem jeder Neue teilnehmen muss, um in der Burschenschaft aufgenommen zu werden, ist bei österreichischen Studentenbünden dieser Art oft noch immer Tradition. Fälschlicherweise wird gemeint, es ginge den sich- Duellierenden darum, irgendeine Ehre zu schaffen, indem man sich gegenseitig Narben verpasst. Freilich klingt das völlig unlogisch – ist es auch, aber das ist auch nicht im geringsten das Wesen und der Sinn der Mensur. Als die ersten Burschenschafter sich organisierten, also die Widerstandskämpfer gegen Napoleon, konnten diese nicht wissen, wer nun auf ihrer Seite wäre und wer ein Sympathisant Napoleons ist und aus diesem Grunde wurde dieses Duell eingeführt. Es geht darum, dass derjenige, der um Beitritt bittet, beweist, dass er bereit ist, dafür sozusagen „den Kopf hinzuhalten“ und einen Blutzoll dafür zu leisten. Dadurch wird zumindest die Wahrscheinlichkeit verringert, dass Käufliche oder Spione in die Burschenschaft eindringen können und daraus resultiert auch die Tradition der Mensur. Es geht darum, dass bewiesen wird, dass das auch wirklich gewollt wird und nicht nur eine vorübergehende Laune darstellt. Es zwingt dazu nachzudenken und zu reflektieren und genau das wirkliche Wollen stärkt letzten Endes die schlagende Verbindung. Wenn heute Nationalisten oder Variationen derselben die Flagge der Bundesrepublik für sich verwenden, dann wird auch manchmal der Vorwurf eingeworfen, dass „die Nazis nicht wüssten, welche Bedeutung diese Farben haben“. Es ist dahingestellt, dass jeder Nationalist Nationalsozialist ist und so lange nicht mehr hervorgebracht werden kann, auch absurd. Zwischen den Nationalisten des 19. Jahrhunderts und den Nationalsozialisten bestehen eklatante Unterschiede, die nicht übersehen werden dürfen. Wenn diese Unterschiede existieren, dann ist es auch möglich, dass diese zwischen ihren modernen Pendants noch immer existieren, womit bewiesen ist, dass Nationalismus nicht mit Nationalsozialismus gleichzusetzen ist. Damit ist es auch mehr als alles andere gerechtfertigt, wenn jene Nationalisten, die einen Sinn für Demokratie und Freiheit haben, diese Farben für ihre Bewegung vereinnahmen, denn aus ihrer Bewegung gingen sie erst hervor. Wenn die Bundesrepublik heute politische Maßnahmen ergreift, die das eigene Volk bewusst in den Schatten der Interessen anderer stellen, dann kann das niemals im Sinne jener Nationalisten gelegen haben, die zur Zeit des „deutschen Interregnums“ – wie ich es bezeichnen würde – lebten, wirkten und unter anderem diese Farbkombination als Flagge schufen. Damit sollten sich Nibelungentreue der Bundesrepublik Deutschland die Frage stellen, ob denn sie selbst irgendein Recht darauf haben, diese Flagge für diesen Staat als ultimatives Zeichen zu verwenden und nicht diejenigen, die einen gesunden Patriotismus vertreten.

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