Rede-Duell zur Gebietsreform

Am gestrigen Montag den 26.06., fand in den Kammerspielen des Meininger Theaters ein Rede-Duell zwischen dem Landrat Peter Heimrich(SPD) und dem Mitglied des Thüringer Landtages Steffen Harzer(Die Linke) statt.

Peter Heimrich vertrat die Position des Gebietsreform Gegners, und Steffen Harzer die des Gebietsreform Befürworters. Nach einer eher trockenen Fakten-Einleitung des Moderators der Rede-Duell Runde, begann das Duell schnell an Fahrt zu gewinnen. Beide Duellanten vertraten vehement ihre unterschiedlichen Positionen zu diesem Thema. Da Heimrich ein Gebietsreform Gegner war, war die Mehrheit der Bürger im Saal offenkundig auf seiner Seite, man merkte das sehr deutlich am Applaus und an den Zwischenrufen.

Auch muss man zugeben, das Peter Heimrich einfach menschlicher und volksnäher rüber kam, als sein Kontrahent Steffen Harzer, der eher wie ein überheblicher Ideologe wirkte. In der Tat war die gesamte Veranstaltung, für letzteren Teilnehmer keine gute Runde. Denn jeder der zu Wort kam in diesen zweieinhalb Stunden, überwarf ihn mit scharfer Kritik und Anschuldigungen. Bei den Wortmeldungen aus dem Publikum, waren einige Bürgermeister Südthüringens dabei, ebenso ein Historiker, der Landrat von Hildburghausen und andere Personen aus dem öffentlichen Dienst. Keiner der Zuwortkommenden war ein Gebietsreform Befürworter, im Gegenteil, alle stellten kritische Fragen an Herrn Harzer.

Am interessantesten war aber die Wortmeldung eines Bürgers aus Hildburghausen, der Harzer beschuldigte, noch aus Zeiten als dieser Bürgermeister von Hildburghausen war, sein Fuhrunternehmen ruiniert zu haben und ihm immer noch, nach zwei Gerichtsverfahren in dieser Angelegenheit, 40.000 Euro schuldet. Und das dieser als Bürgermeister „wie ein Zar“ geherrscht hätte. Für diese Anschuldigungen hatte Herr Harzer allerdings nur ein Lachen übrig.

Generell war die gesamte Veranstaltung sehr emotionsgeladen was sich öfters in ablehnenden Zwischenrufen in Richtung Harzer darstellte und gipfelte sogar in offenem Ausbuhen desselben, als dieser meinte auch er wäre vom Bürger gewählt worden. Zur Erklärung: kurz zuvor sagte Heimrich das er von den Bürgern gewählt wurde und nicht von seiner Partei der SPD. Da wollte Harzer wohl einfach gleich ziehen, was das Publikum ihm so allerdings nicht durchgehen lies.

Heimrich war in der ganzen Diskussionsrunde bemüht die Probleme anzusprechen die der Bürger mit diesem Thema hat und mögliche Lösungen auf zu zeigen. Allerdings ertönte dann doch einmal in Richtung Heimrich die Anschuldigung von einem Bürger im Publikum:“Sie sind Arrogant!“

Während Harzer sehr oft unsachlich versuchte das Thema auf Parteispaltereiebene zu lenken, wie in etwa: „die CDU blockiert das“ und „ihr von der SPD müsst das unter euch ausmachen“. Doch kein Bürger interessiert sich für parteibezogene Kleinkariertheit, denn dieser möchte einfach nicht, das die Gestalt seiner Heimat bis zur Unkenntlichkeit verändert wird. Auch erschloss sich der Eindruck das beim Harzer immer alle anderen Schuld seien: die Bürger, die Kommunen oder die anderen Parteien. Einmal brachte dieser, ohne jeden Zusammenhang ein, das es auch extreme Positionen gäbe wie die der AfD und der NPD.

Als linker Ideologe muss man offenbar solche unangebrachten Spitzen mit in ein Gespräch einbringen auch wenn sie vollkommen fehl am Platze sind. Auch sollte man als politisch interessierter Mensch, zwischen Neuer Rechte (AfD) und Alter Rechte (NPD) deutlich unterscheiden können und akzeptieren das verschiedene Postionen nun mal zur Demokratie gehören und sogar die eigentliche Grundlage der Demokratie bilden. Denn hätten alle die gleiche Meinung, wäre Demokratie wohl überflüssig.

Oft wurde der demographische Wandel in Thüringen am gestrigen Abend thematisiert, und das dies einer der Hauptgründe für die Gebietsreform wäre. Die übliche Angstmacherei die Deutschen würden zu wenige werden, oder gar Aussterben. Vergessen zu erwähnen wurde dabei allerdings, das die Geburtenraten in Mitteldeutschland, seit Jahren wieder ansteigen, in Sachsen haben sie bereits den Stand von 1990 übertroffen und Thüringen liegt nur knapp dahinter! Außerdem sollte klar sein, das keine Population für alle Zeiten konstant ist. Es gibt immer Zeiten des Wachstums, der Stagnation und der Schrumpfung. Und die Deutschen bleiben auch das deutsche Volk, egal ob sie nun 80 Millionen, 60 Millionen oder 40 Millionen sind. Außerdem wären weniger Menschen doch durchaus etwas Gutes: mehr Platz, weniger Verkehr, mehr Raum für die Natur, und wir alle müssten weniger arbeiten um die benötigten Güter und Dienstleistungen zu erzeugen…. aber natürlich nicht mit dem derzeitigen Wirtschafts- und Finanzsystem.

Und wer sagt das die Einwohnerzahl eines Landes immer genau gleich sein müsste? Die Verwalter, damit sie es einfacher mit dem abkassieren und verwalten haben? Die einzige Bedrohung ist die kulturfremde Masseneinwanderung, aber das wurde natürlich gestern ebenfalls nicht angesprochen.

Niemand braucht diese Gebietsreform und niemand will Zentralisierung. Zumindest nicht das Volk, dessen konnte sich Heimrich gestern sicher sein, und so könnte man ihm unterstellen den Bürgern genau das zu erzählen, was diese hören wollten. Ein kleines Publikum ist leicht zu kontrollieren, wenn man weiß was es hören möchte. Auch steht es außer Frage, das der Posten des Landrates, Herr Heimrich sehr wichtig ist, und er diesen natürlich nicht verlieren möchte.

Herr Harzer hingegen hat gestern unter Beweis gestellt das er nicht weiß was das Volk möchte. All die Kritik und Anschuldigungen an seine Person im Laufe des Abends, beweisen das schon recht gut. Auch stellte er unter Beweis, das er mit Begriffen wie Heimat und landsmannschaftlicher Zugehörigkeit nur wenig anfangen konnte. Laut seiner Meinung ist Heimat, dort wo dein Haus steht, deine Freunde und Familie um dich herum sind…. und alles andere drumherum ist nur die Verwaltung. Demnach ändert sich an der Gestalt der Heimat nichts, wenn die Verwaltung verändert wird. Ihm wäre es dann also gleichgültig, wenn beispielsweise morgen Thüringen, Hessen und Bayern zu einem einzigen Landkreis zwangsvereinigt würden, man würde dieses Gebilde dann Europistan nennen, die gemeinsame Flagge ziert dann ein roten Halbmond und das ganze würde von München aus verwaltet werden?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s