Wie der Koran seine Anhänger in den Bann zieht

„Der Stil des Koran ist seinem Inhalt und Zweck gemäß streng, groß, furchtbar, stellenweise wahrhaft erhaben; so treibt ein Keil den andern, und darf sich niemand über die große Wirksamkeit des Buches verwundern.“ Das schreibt einer der berühmtesten deutschsprachigen Dichter, Johann Wolfgang Goethe, über das heilige Buch des Islam.

Obwohl Goethe selbst wohl eher dem Christentum nahe gestanden haben mag, so erkannte er doch die „Wirksamkeit des Buches“ über welche „sich niemand wundern dürfe“. Damit behält der Dichter völlig Recht, denn tatsächlich verwendet der Koran eine ausdrucksstarke Rhetorik, die wahrhaft fesselnd wirken kann, wenn man mit Aufmerksamkeit in diesem langatmigen, aber doch stets Interesse-erweckendem Buch liest. Wie aber ist es möglich, dass Muslime, die seit Jahrzehnten in Europa leben, ja gar hier geboren wurden, scheinbar derartig indoktriniert wurden, dass es ihnen oft beinahe unmöglich ist, von einem strikten, dem Koran folgenden Leben abzuwenden? Müsste denn nicht modernes europäisches Werteverständnis, mit welchem die vor allem hier Geborenen ja aufwuchsen, dazu geführt haben, dass sich die Menschen an die neuen Umstände in ihrem Leben anpassen? „Furchtbar“ ist der Koran, wie ihn Goethe beschreibt. Vor allem dieses wird in erster Linie der maßgebliche Faktor sein, der zur oft anzutreffenden Starrheit unter Muslimen führt und bisher auch geführt hat. Der Koran verspricht den Ungläubigen, also jene, die nicht nach den Vorschriften des Koran leben in der Hölle Äpfel aus glühendem Eisen – das soll die Speise sein, von welcher die Sündigen zehren und kochendes Wasser soll den Durst löschen. Phrasen, die solcherlei versprechen, werden ständig und unaufhörlich wiederholt und im Gegensatz dazu steht die These vom Paradies, das sieben Stufen umfasst. Die höchste Stufe ist ausschließlich Männern reserviert, die „im Wege Allahs fielen“, also jenen Männern, die im Dschihad, im „heiligen Krieg“ ihr Leben lassen. Auf der einen Seite ist die These zu finden, die dem Muslim, sofern er gläubig ist, das allerhöchste Glück und das Allerschönste überhaupt offenbart und die dazugehörige Antithese stellt die Hölle dar, die man sich den Beschreibungen entsprechend als qualvoller vorstellt, als man dies überhaupt vermag, weil wir keinen Vergleich auf Erden dafür haben, wie es sich nur anfühlen könnte, tatsächlich bei 100°C siedendes Wasser die Speiseröhre hinunter zu würgen – oder gar Äpfel, weißglühend vor Hitze, zu kauen und zu schlucken.

Die ständige Repetition dieser Gegensätze bewirkt eine Sensibilisierung hinsichtlich Glaubensfragen. Der Interessierte sieht sich mit einer alles-entscheidenden Frage konfrontiert, die vor allem dadurch verstärkt wird, dass behauptet wird, der Koran stamme direkt von Gott und sei nur über den Erzengel Gabriel und den Propheten Mohammed weitergegeben worden: Es ist die Frage nach der Wahrheit im Koran oder gar des Koran. Nicht nur der gläubige Muslim wird sich diese Frage stellen – dies wahrscheinlich noch weniger, denn dann wäre er wohl gefährdet, gar nicht erst als gläubig definiert werden zu können – sondern vor allem jene, denen der Koran etwas Neues ist. „Ist er, der Koran, von Gott; ist das die Wahrheit?“ schwirrt in jedem Kopf. „Wenn der Koran, von Ihm, dem Allmächtigen stammt und ich es wage, nicht zu glauben, dann werden meine Qualen einst unendlich sein.“ mögen und werden viele denken.

Die Überzeugungskraft, die der Koran zugleich auf den Leser ausübt, ist ein wahrer Bann der Aufmerksamkeit. Als „wahrhaft erhaben“ bezeichnet Goethe den Koran und auch in dieser Hinsicht muss der Dichter bestätigt werden, denn tatsächlich ist er im wahrsten und ursprünglichesten Sinne des Wortes erhaben – also „erhoben“, „gehoben“. Er hebt seine Sprache förmlich auf ein Niveau an, das man mit einem nicht ganz zutreffenden Wort charakterisieren, aber nicht definieren kann, denn die Sprache ist herrisch. Der Schreiber des Buches ist ein fähiger; ihm gelingt es, alleine durch Worte eine solche starke Kraft der Überzeugung auszulösen, dass tatsächlich langsam zu glauben begonnen wird, dass all das dort Geschriebene der Wahrheit entsprechen könnte. Es wird wohl mitunter dadurch verursacht sein, dass der Koran absolut dogmatisch fordert und dabei öfters eine Zukunftsform verwendet. Der psychologische Effekt dürfte nicht zu verkennen sein, denn das „Werden“ alleine strahlt bereits aus sich heraus eine Selbstsicherheit aus, die man zwar anzuzweifeln geneigt ist, die sich aber mit dem Lesen des Buches tief in den eigenen Verstand einbrennt. „Die Ungläubigen werden von heißglühenden Äpfeln essen“ ist nur ein kleiner Teil dieser prophetischen Ausdrucksweise, die sich im Koran finden lässt.

Freilich existieren auch andere Aspekte, die wohl dazu beitragen mögen, dass der Koran die Menschen, die an ihn zu glauben begannen, nicht mehr loslässt, doch diese zwei Punkte sind die wohl Bedeutsamsten. Man wird den Koran durchstöbern können, wie immer man nur will – das Schema bleibt dasselbe, nämlich vor allem diese „furchtbare Sprache“ und zusätzlich der Das-istso- Prophezeiungston werden wiederkehrend zu finden sein. Angesichts dieser Tatsachen, die erst dann geleugnet werden können, wenn ein ausreichender Widerspruch eingelegt werden kann, ist es wohl fraglich, ob die „Integration“ von Muslimen in die Gesellschaft der Unseren je so stattfinden kann, wie man es sich seit Jahrzehnten erhofft. Bilden sie sich ihre Meinung.